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Turul Ciclist al Romaniei - Rumänienrundfahrt

04.06.2011 - 11.06.2011

Nachdem ich die Griechenlandrundfahrt im Frühjahr wegen meines Schlüsselbeinbruches nicht fahren konnte, hatte ich über das Team Profiline die Möglichkeit, die Rumänienrundfahrt zu bestreiten.
Zusammen mit Lars, der auch in mit mir im Trainingslager in Griechenland war, nahm ich den weiten Weg nach Constanta am Schwarzen Meer, wo die Rundfahrt starten sollte in Angriff.

Die Rundfahrt umfasst 8 Etappen plus einen Prolog am ersten Tag.
Leider hatten kurzfristig 2 Fahrer abgesagt, so dass wir statt mit 6 Fahrern nur mit der Minimalanzahl von 4 Fahrern an den Start gingen:
Außer mir war mit Lars Bartlau mein Trainingspartner aus Griechenland mit im Team.
Verstärkt wurden wir mit Andreas Keuser aus Deutschland und Peter "Eddy" Merx aus Holland.
Außer uns war auch Heinrich Berger vom Harvestehuder RV aus Hamburg mit einem rumänischen Team am Start.
04.06.2011 Prolog 8km Constanta
04.06.2011 1. Etappe 184km Constanta - Braila
05.06.2011 2. Etappe 187km Braila - Vaslui
06.06.2011 3. Etappe 200km - verkürzt auf 152km Vaslui - Botosani
07.06.2011 4. Etappe 226km Botosani - Suceava
08.06.2011 5. Etappe 212km Targu Neamt - Tirgo Mures
09.06.2011 6. Etappe 145km Tirgo Mures - Sibiu
10.06.2011 7. Etappe 72km Sibiu - Balea Lac
11.06.2011 8. Etappe 169km Brasov - Bukarest


Prolog, Constanta

Den Auftakt bildete der Prolog über 8km direkt vor unserem Hotel. Die Strecke war eine Wendepunktstrecke auf einer 5-spurigen Straße direkt an der Hotelfront 200m vom Schwarzmeerstrand von Constanta entfernt.
Die Bedingungen waren eigentlich optimal, bis auf dass wir alle keine Zeitfahrräder dabei hatten und wir so unsere 2 Aero-Laufradsätze und Lenkeraufsätze durch das komplette Team wechseln mussten.
Ohne das Zeitfahrmaterial hatten wir gegen die Profi-Teams, die mit kompletter Ausrüstungam Start waren natürlich wenig Chancen. Trotzdem schaffte Lars es, als 17. ein kleines Ausrufezeichen zu setzen! Andreas konnte sich auf Platz 23 einreihen, während Peter und ich uns etwas weiter hinten auf Rang 37 (Peter) und Rang 36 (Ich) platzierten. Ein 44er Schnitt ist ohne Zeitfahrmaterial schon ganz ordentlich fand ich, auch wenn Lars es unter den gleichen Bedingungen auf einen 46,7er Schnitt brachte!
Alles in allem auf jeden Fall kein schlechtes Ergebnis für das Team.
Heinrich Berger schaffte es sogar, den 4. Platz einzufahren.


1. Etappe, Constanta - Braila

Nach dem Prolog am Morgen ging es Mittags direkt mit einer "Halbetappe" über 184km weiter. Die Strecke ging ca. 60km über die Hügel im Hinterland von Constanta, um dann fast flach zum Zielort Braila zu führen.
Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, die Füße schön still zu halten und nicht in Gruppen zu gehen, aber wenn man schonmal vorne unterwegs ist...
Auf jeden Fall fand ich mich nach ca. 10km in der 20-köpfigen Spitzengruppe des Tages wieder, die eine ganze Weile hart kämpfen musste, um vom Peloton ziehen gelassen zu werden, aber als der Abstand erstmal über 3 Minuten geklettert war, gab das Team des Vorjahressiegers auf und ließ uns ziehen.
Mit mir in der Gruppe war auch Heinrich Berger, der mich netterweise mit Flaschen versorgte, da unser Teamfahrzeug erstmal hinter dem Hauptfeld geblieben war.
Auch sonst hielt es hinten niemand für nötig, unserer Gruppe nachzustellen, so dass der Vorsprung sehr schnell auf über 7 Minuten stieg. Spätestens, als der Vorsprung bei noch 70 zu fahrenden Kilometern auf 13:40 Minuten geklettert war, wussten wir, dass der Sieger aus unserer Gruppe kommen würde.
Bei 23 zu fahrenden Kilometern kam für mich dann der Schock: Eine Speiche im Hinterrad brach bei einem Antritt und das Rad hatte so einen starken Schlag, dass ich damit nicht weiter fahren konnte.
Da unser Teamfahrzeug gerade hinter dem Hauptfeld war, bekam ich vom neutralen Materialwagen ein Ersatzlaufrad, aber keinen Windschatten! Zusätzlich fuhr das Jury-Fahrzeug direkt hinter mir und kontrollierte, ob ich den Anschluss allein schaffte. Da vorne aber gerade die Post ab ging hatte ich keine Chance, selbst wieder aufzuschließen. Ich fragte also, wieviel Polster ich noch nach hinten hatte, und die Antwort "ca. 16 Minuten" ermutigte mich immerhin weiter Vollgas zu fahren.
Zum Glück hatte unser Teamwagen den Funkspruch "Team Profiline ... ... Wheel ..." teilweise empfangen und kam mit 120 Sachen nach vorne gefahren. Da der Jury-Wagen jetzt nicht mehr hinter mir fuhr, konnte er mir den legitimen Windschatten geben und ich kam langsam aber sicher wieder dichter an die Gruppe heran. 5km vor dem Ziel hatte ich mir dann den Weg durch die Materialwagenkolonne gebahnt und konnte wieder zu einigen Fahrern aufschließen, die aber leider von den anderen 11 Fahrern abgehängt worden waren.
So ging es für mich im Finale noch um Platz 12. Ich attackierte bei 2km und konnte mich mit einem weiteren Fahrer absetzen. Als die anderen Fahrer der Gruppe bei 500m immer näher kamen entschloß ich mich, einen sehr langen Sprint zu fahren, bevor sie uns erreichten.
20m vor der Ziellinie konnten mich 2 Fahrer noch abfangen, aber immerhin zu Platz 14 hat es damit für mich gereicht. Für eine Etappe bei einer 2.2 Rundfahrt ein sehr vernünftiges Ergebnis!
Zusätzlich liege ich nun im Gesamtklaessement auf Rang 16 und habe über 12 Minuten Vorsprung auf Platz 20. Nur eine Minute trennt mich widerum von Platz 8! Ich bin sehr gespannt auf die nächsten Etappen, und vor allem darauf, wie ich mich in den Bergen schlagen kann.
Besonders freuen konnte sich Heinrich, der als Bestplatzierter der Gruppe das Gelbe Trikot des Gesamtführenden übernahm.


2. Etappe, Braila - Vaslui

Die zweite Etappe sah vom Profil her aus wie die leichteste Etappe. 187km fast völlig flach. Aber wie so oft sind diese Etappen die schlimmsten. Es wurde direkt attackiert und der Wind von schräg vorn tat sein übriges. Nach einiger Zeit kehrte kurzfristig Ruhe ein, und prompt in dieser Situation fing ich mir einen Platten ein. Das Hinterrad war schnell gewechselt und ichwar schnell wieder im Feld, aber 5km später hätte mich das hart getroffen. Kurze Zeit später ging es nämlich so richtig los. Bis km 40 wurde in einer Tour attackiert.
Lars konnte sich auf der Windkante mit 2 Begleitern absetzen und ich hatte Heute, nach den Strapazen von Gestern, eh nur vor mich im Feld zu verstecken und Kräfte zu schonen. Auch als die Gruppe um Lars stand wurde es nur kurz ruhig. Nach kurzer Zeit gingen die Attacken weiter. Andreas konnte mit einem weiteren Fahrer hinterher springen und es wurde zunächst wieder etwas ruhiger.
Auch diese Ruhe dauerte nicht sehr lange. Bald darauf ging es wieder los und nach einiger Zeit teilte sich das Feld in zwei Hälften. Dieses Mal hatte ich leider nicht aufgepasst und fand mich im hinteren Teil wieder. Glücklicherweise waren auch der Vorjahressieger und einige andere Favoriten im hinteren Teil, so dass ich dieses Mal sitzen blieb mich darauf verließ, dass diese Teams das Loch schließen würden.
Die Taktik ging auf und so war das Feld nach ca. 15km wieder geschlossen. Es schafften zwar noch 4 Fahrer den Sprung in die Spitzengruppe, aber diese 9 Fahrer konnten dann einen guten Vorsprung herausfahren. Im Feld wurde nicht mehr konsequent nachgeführt, so dass der Vorsprung dieser Gruppe im Ziel ca. 10 Minuten betrug. Andreas und Lars konnten sich als 6. und 9. platzieren. Im Sprint des geschlossenen Feldes konnten Peter und ich dann noch die Plätze 14 und 20 einfahren.
Damit hatten wir alle 4 Fahrer in den Top 20 und da 2 von ihnen in der Spitzengruppe fuhren, bedeutete dies den Tagessieg in der Teamwertung.
Im Gesamtklassement liege ich immer noch auf Platz 16, auch wenn einige Fahrer ihren Abstand deutlich verringern konnten. Morgen geht es etwas mehr bergauf, aber immerhin wurde die Etappe verkürzt, da die Straßenverhältnisse auf dem ersten Teil schlecht sein sollen. Also doch nicht 5 Tagein Folge 200km oder mehr (mit Ein- und Ausfahren), sondern 2x 200, 150 und wieder 2x über 200km...


3. Etappe, Vaslui - Botosani

Die Etappe Heute wurde aufgrund sehr schlechter Straßenverhältnisse auf den ersten 50km verkürzt. Wir fuhren die fehlenden Anfangskilometer vom Hotel bis zum neuen Startpunkt im Konvoi. Da wir nur mit einem PKW vor Ort waren, nahmen wir mit dem Team den Besenwagen in Anspruch während die Räder auf dem Teamfahrzeug Platz hatten.
Während der Fahrt konnten wir uns davon überzeugen, dass die Straßen wirklich nicht im Rennen befahrbar gewesen währen! Teilweise waren die Löcher im Boden groß genug, um ein ganzes Fahrrad darin zu verstecken.
Nach dem überwiegend flachen Teil am Anfang, der der Verkürzung zum Opfer gefallen war, folgte recht bald eine etwas hügeligere Passage, bevor es nach 20km zur ersten richtigen Bergwertung der Rundfahrt ging. Ich merkte leider sofort, dass ich mich am Vortag nicht wirklich ausgefahren hatte und mich durch den Transfer auch nicht warmfahren konnte.
An den ersten Hügeln hatte ich direkt Probleme, mich vorne im Feld zu behaupten. An der Bergwertung kamen dann auch noch "äußere Umstände" hinzu: Am Fuß des Berges riss sich ein Pferd am Straßenrand los und galoppierte bis kurz vor dem Gipfel mehrere Kilometer neben dem Feld her. Leider beschränkte es sich nicht nur auf das nebenher laufen, sondern lief immer mal wieder quer durchs Feld. Die Motorrad-Streckensicherung versuchte zwar mehrfach es an den rechten Rand zu drängen, aber so einfach ließ es sich nicht einfangen.
Nachdem es schon zwei Fahrer um ein Haar zu Fall gebracht hatte, kam es kurz vor der Kuppe auch mir bedrohlich nah, so dass ich abbremsen und ein Loch reißen lassen musste. Da nach dem Berg auch die Abfahrt voll gefahren und attackiert wurde hatten wir hinten einige Mühe, das Loch wieder zuschließen. Trotzdem kamen wir gegen Ende der kurzen, aber technischen Abfahrt wieder ans Feld heran.
Der folgende Abschnitt war zwar relativ flach, aber die Straßenverhältnisse waren ziemlich schlecht. Da ich recht weit hinten war, war ich eine ganze Weile damit beschäftigt einfach nur den Schlaglöchern auszuweichen. So bekam ich garnicht mit, dass vorne Peter in der Gruppe des Tages fuhr. Als ich dann endlich nach vorne kam, wurden auch die Straßen deutlich besser und das Rennen entspannte sich merklich. Da wir vorne in der 5er-Gruppe vertreten waren und die rumänische Nationalmannschaft für das Gelbe Trikot die Tempoarbeit machte, hatten wir nicht viel zu tun.
Zwischendurch baute ich noch meine teaminterne Führung in der Pannenstatistik aus indem ich am dritten Tag den dritten Hinterraddefekt hatte. Ich schaffte es aber relativ schnell wieder ins Feld zurück, da ich noch innerhalb der Kolonne ein neues Hinterrad hatte.
Die Bergwertungen in der Mitte der Etappe waren nicht der Rede wert, aber 20km vor dem Ziel wartete nochmal ein richtig fieses Ding auf uns. Die Straße schien direkt über den Hügel gebaut worden zu sein. Es war ziemlich steil und es ging vor allem hinter der "Kuppe" nicht wieder runter, sondern mit Windkante weiter leicht bergauf. Der Anstieg wurde echt flott gefahren, sodass viele Fahrer abreißen lassen mussten. Ich kam am Hinterrad des Gelben Trikots ziemlich weit vorne auf die Kante, und da ging es erst richtig los.
Da wir schon recht nah am Ziel waren, wurde attackiert bis zum umfallen. Erstaunlicherweise fühlte ich mich aber immer besser und konnte alle Attacken mitgehen. Nur in der Abfahrt war ich dann einmal unachtsam und genau diese Gruppe konnte sich dann absetzen. Am letzten 10% steilen Anstieg im Zielort Botosani ließ ich mich dann nicht mehr abhängen und wollte unbedingt noch im Sprint mitmischen.
Ich fuhr etwas zu weit vorne an Position 2 auf die Zielgerade und reagierte dann auch zu offensiv, als ein Fahrer bei 500m antrat. Ich versuchte mitzugehen, obwohl er mit deutlich mehr Schwung vonhinten kam. Besser hätte ich etwas gewartet, aber hinterher ist man immer schlauer...
Trotzdem kam ich recht weit vorne rein, was am Ende dann Platz 18 in der Tageswertung bedeutete.
Das rückte aber schnell in den Hintergrund, als Peter mir kurz hinter dem Ziel entgegen kam und den Arm in die Luft reckte; er hatte tatsächlich die Etappe abgeschossen!
Er hatte am Ende clever gepokert, da er wusste, dass zwei seiner Begleiter ihre Augen auf die Gesamtwertung gerichtet hatten. Am Ende konnte er dann mit über einer Radlänge Vorsprung den Sprint der 5 Fahrer gewinnen!


4. Etappe, Botosani - Succeava

Die 4. Etappe sollte die Königsetappe der Rundfahrt werden. Mit 225km war sie die längste Etappe und zudem wies sie noch 2 Berge der 1. Kategorie auf, die jeweils über 1200m hoch waren. Ganz nebenbei herrschten wie in den letzten Tagen Temperaturen von 32 Grad und mehr.
Die ersten 100km bestand die Schwierigkeit eher daraus, sich nicht von Windkanten überraschen zulassen, da es völlig flach übers Land ging und die ganze Zeit eine ordentliche Brise von schräg hinten und teils von der Seite wehte.
Da ich Windkantensituationen von hier oben gewohnt bin gelang es mir sehr gut, mich immer unter den ersten Fahrern aufzuhalten. Ich konnte so einige Körner sparen, war aber so sehr damit beschäftigt, meine Position zu halten, dass ich bis zum Beginn des ersten Anstiegs gerade mal 2 Bananen gegessen hatte. Das sollte sich schnell rächen.
Direkt am Fuß des ersten Berges folgte eine Attacke der nächsten. Ein paar Kilometer konnte ich im großen Feld mithalten, merkte aber gleich, dass ich zu wenig gegessen hatte und wurde dann auch irgendwann abgehängt und bekam selbst Probleme, an meinen abgehängten Kollegen dran zu bleiben.
Ich schaffte es aber, irgendwie am Hinterrad eines rumänischen Nationalfahrers zu bleiben, der fast die ganze Zeit das Tempo der kleinen Gruppe angegeben hatte. Über die Bergwertung fuhr er direkt drüber ohne sich auf die Abfahrt vorzubereiten, während ich erstmal mein Trikot zu machte und die Brille wieder auf die Nase setzte. Ich dachte mir, dass ich die 100m auf der Abfahrt locker wieder einholen würde.
Es ging allerdings viel schneller als gedacht. Direkt in der ersten Kurve schaffte er es, sich noch deutlich vor dem Scheitelpunkt auf den Asphalt zu legen, so dass ich ganz froh war, nicht direkt an seinem Hinterrad gefahren zu sein.
Mit einigen Fahrern nahm ich dann die Abfahrt in Angriff. Trotzdem es fast alles Fahrer aus bergigen Ländern waren, war ich erstaunt wie schlecht sie abfuhren. Wenn ich eine Kurve mal zügig fuhr tat sich hinter mir direkt ein größeres Loch auf. So hatte ich wenigstens Zeit, in der Abfahrt und im kurzen Flachstück vor dem nächsten Berg ein bisschen zu essen.
Am zweiten Berg lief es dann auch gleich bedeutend besser! Nachdem im Flachstück einige Fahrer zu uns aufgeschlossen hatten war die Gruppe nun etwa 15 Mann stark und am Berg war ich dann einer der stärksten. Wir erreichten die zweite Bergwertung geschlossen und fuhren dann auch geschlossen die 90 flachen Kilometer bis ins Ziel. Versorgt wurden wir alle von den Krankenwagen, Jurywagen und Teambussen, sowie dem Besenwagen, die zusammen das Ende der Karawane bildeten. Ich glaube, ich habe vorher noch nie in einem Rennen mehr als 10 Trinkflaschen leer gemacht...
Als es zum Ziel ging und einige Fahrer tatsächlich anfingen noch wegzuspringen und zu sprinten fuhr ich demonstrativ als Tagesletzter über die Linie.


5. Etappe, Targu Neamt - Tirgo Mures

Die fünfte Etappe quer durch die Ostkarpaten musste wieder verkürzt werden, die die Straßen im ersten Teil der Strecke zu schlecht waren. Damit fiel auch die erste Bergwertung der zweiten Kategorie aus, was ich jetzt nicht sooo schlimm fand.
Dieses Mal machte ich nicht den Fehler, mich nicht warm zu fahren, sondern nutzte die Zeit nach der Ankunft an der neuen Startlinie, um mich ein paar mal hart zu belasten. Das zahlte sich aus, denn als es eher zügig losging hatte ich diesmal keine Probleme, mich vorne aufzuhalten.
Die ersten Kilometer ging es stetig leicht hoch, ohne dass man dies eine Steigung hätte nennen können. Nach und nach wurde es aber immer steiler und die rumänische Nationalmannschaft übernahm schnell die Kontrolle im Feld. Zwei Fahrer konnten sich zwar absetzen, wurden aber fahren gelassen, da es ihnen nur um das Bergtrikot ging. Ich reihte mich bis es wirklich in den Berg ging an Position 4 ein und hatte so die beste Position hinter den drei Arbeitern der rumänischen Mannschaft.
Als es dann richtig in den Berg hinein ging, folgten sofort wieder Attacken. Ich wurde davon kurzfristig überrascht, da ich ganz vorne nicht sehen konnte, wie sie hinter mir beschleunigten. Das Feld war sofort sehr lang gezogen und vor mir wurde irgendwo ein Loch gelassen. Zusammen mit Lars und ein paar anderen schlug ich aber von vorne so ein hohes Tempo an, dass wir die Spitze immer im Blick hatten und schließlich mit gerade mal 20 Sekunden Rückstand über die Kuppe fuhren.
In der Abfahrt fuhr ich dann wieder fast alles von vorne, so dass ich nicht hinter Stürzen oder langsamen Fahrern liegen konnte. Nach einigen Kilometern hatten wir wieder zur Spitze aufgeschlossen, die auch die beiden Ausreißer wieder gestellt hatte.
Es ging nun die ganze Zeit leicht abschüssig durch langgezogene Täler. Man könnte meinen, dass das entspanntes Fahren war, aber wir hatten teils Seitenwind, so dass bei Tempo 60+ ganz schön fiese Windkanten entstanden. Ein paar mal versuchte ich mit einigen anderen mein Glück in einer Attacke auf der Windkante, aber das Feld fuhr sehr aufmerksam, so dass wir uns nun auf einen Massensprint vorbereiteten.
Da Peter auf der dritten Etappe bewiesen hatte, dass er ein guter Sprinter ist, wollte ich versuchen, ihn dabei zu unterstützen. 2 Kilometer vor dem Ziel ließ dann aber ein Fahrer eintaktisches Loch, so dass ich mich ziemlich anstrengen musste, um das Loch zu schließen. Dadurch verlor ich Peter aus den Augen und versuchte mich wieder nach vorne vor zu arbeiten. Bei 1,5km folgte noch eine kurze Welle, die komplett die Kraft aus den Beinen saugte.
Erst bei 300m war ich wieder bei Peter am Hinterrad, konnte aber in dem chaotischen Sprint nicht mehr viel helfen, da der Sprint im vollen Gange war. Also versuchte ich selbst noch mein Glück. Ich kam als 14. über die Linie, Peter wurde 16.


6. Etappe, Tirgu Mures - Sibiu

Obwohl die 6. Etappe nur über knapp 150km ging und keine größeren Berge hatte, war sie für mich die härteste Etappe der Rundfahrt... Ich hatte morgens mit Durchfall zu kämpfen und der Appetit hielt sich natürlich in Grenzen.
Ohne Energie nachzuladen konnte das natürlich nicht wirklich klappen. Nach 10km kam direkt ein kurzer Hügel von 4km, an dem ich sofort merkte, dass dies ein Tag der Leiden werden würde. Ich konnte mich zwar glücklicherweise noch im Feld über den Hügel retten, aber ein gutes Gefühl ist was anderes!
Auch den Rest der Etappe fühlte ich mich wirklich schlecht und an jedem Hügel und jeder leichten Windkante fand ich mich am Ende des Feldes wieder und musste kämpfen um nicht abgehängt zu werden. Zum Glück gab es nicht all zu viele Schwierigkeiten bevor es auf die letzten 20km ging.
Kurz vor dem Ziel warteten allerdings noch 2 größere Hügel auf uns. Ich war zum Glück nicht der erste der abreißen lassen musste, so dass ich mich schnell in einer größeren Gruppe wiederfand, die auch noch durch den Krankenwagen hinter dem Feld unterstützt wurde. Wir bekamen Windschatten und moralische Unterstützung und konnten so ohne größere Probleme den Rest der Etappe zuende fahren.
Im Ziel war ich dann echt froh, diesen Tag hinter mich gebracht zu haben. Ein bisschen Angst hatte ich allerdings vor der Bergankunft am nächsten Tag!


7. Etappe, Sibiu - Balea Lac

Am vorletzten Tag stand die kürzeste, aber keineswegs die leichteste Etappe auf dem Plan. Aus Sibiu sollte es ca. 40km relativ flach heraus gehen, bevor die Bergankunft auf der höchsten asphaltierten Straße Rumäniens auf 2050m Höhe anstehen sollte.
Leider entschieden die Kommissäre, dass der obere Teil der Straße, der für den normalen Verkehr noch nicht wieder geöffnet war, auch für uns nicht befahrbar wäre. So wurde die Etappe auf ca. 55km verkürzt. Es ging trotzdem noch immerhin ca. 15km am Stück bergauf bis zur Balea Cascada, einem Hotel an einem Wasserfall etwa auf halber Höhe.
Da es den ganzen Tag wie aus Eimern regnete war es dann aber nicht so schlimm, dass wir nur die Hälfte fahren sollten. Sonst hätte ich mich mehr geärgert, die Aussicht zu verpassen. Auf die Etappe hatte ich mich schließlich im Voraus schon sehr gefreut, da ich mir schon einige Bilder des Berges angesehen hatte.
Der Regen schien von Anfang an das halbe Feld zu lähmen, obwohl es mit gut 20 Grad immer noch recht warm war. Ich hatte den Eindruck, dass ich der einzige war, dem der Regen nichts ausmachte. Da es mir morgens auch wieder deutlich besser ging als am Vortag, konterte ich direkt die erste Attacke und fuhr eine Weile allein vor dem Feld. So wirklich wurde ich aber nicht weg gelassen und ganz allein war es mir dann doch zu anstrengend.
Trotzdem attackierte ich noch einige Male, da die rumänische Nationalmannschaft in der Führung ein Tempo anschlug, das zwar zügig war, im Feld kam bei mir aber schnell Langeweile auf... Bei einem Versuch bekam ich nach einiger Zeit Begleitung von einem weiteren Fahrer, woraufhin die Rumänen dann aber sofort hohes Tempo anschlugen und uns wieder einfingen.
Kurz vor dem Anstieg sorgte dann der Fernsehhubschrauber noch für etwas Verärgerung im Feld, als er auf der Windkante auf der Luv-Seite (na, wer kann Seglerdeutsch? ;) ) direkt neben uns her flog und die Windkante damit deutlich verstärkte.
Dann ging es in den Anstieg und da Andreas sehr stark am Berg ist, versuchten Peter und Ich, am Anfang das Tempo möglichst hoch zu halten, um Attacken zu vereiteln. Als es dann wirklich schnell wurde, konnte ich das Tempo aber nicht mehr mitgehen und fuhr in meinem eigenen Tempo die restlichen 12km des Berges hoch.
Die ganze Zeit schüttete es weiter wie aus Eimern und so war es ein recht komisches Erlebnis, so ganz allein durch den Wald den Berg hoch zu fahren. Lustigerweise kam mir dabei ein Bild von einem freilaufenden Bären auf genau dieser Straße in den Sinn, das ich bei meinen Recherchen vor der Rundfahrt im Internet gefunden hatte.
Am Anfang fuhr ich ein recht machbares Tempo, da ich wusste, dass die Karenzzeit für diese Etappe recht großzügig bemessen war. Als dann vor mir einige Fahrer in Sicht kamen erhöhte ich das Tempo und konnteso auf eine etwas größere Gruppe aufschließen, mit denen ich dann bis zum Ziel fuhr. Am Ende hatten wir noch etwas Spaß indem wir so einen Showsprint um den wie sich herausstellte 32. Platz abhielten. Eine Übersetzung von 53x11 eignet sich nicht allzu gut für einen Sprint bei mehr als 5 Prozent Steigung ;-)
Im Ziel erfuhr ich dann, dass Andreas den Mund nicht zu voll genommen und die Etappe tatsächlich gewonnen hatte! Lars ließ sich mit Platz 13 auch nicht lumpen.
Danach ging es in einem langen Transfer im Besenwagen nach Brasov, wo am nächsten Tag die letzte Etappe gestartet werden sollte.


8. Etappe, Brasov - Bukarest

Nach der Bergankunft am Vortag trennten die ersten beiden Fahrer in der Gesamtwertung gerade einmal 19 Sekunden. So war klar, dass die letzte Etappe noch einmal heiß umkämpft sein würde. Vom Start weg sollte es die ersten 25km nur bergauf gehen, wobei die ersten 10 eher flach waren. Da nach der Bergwertung bei 25km nur noch eine lange Abfahrt und ein langes Flachstück folgten, versuchten die aussichtsreich im Gesamtklassement liegenden Fahrer natürlich, am Berg das Feld komplett zu zerpflücken.
Das funktionierte bei wiederum regnerischem Wetter auch recht gut. Ich konnte mich im ersten steileren Teil des Anstiegs noch gerade am Ende des Feldes behaupten, aber als dann ein Helfer des Vorjahressiegers meinte, mich als Schleudergriff missbrauchen zu können, hatte ich auf einmal ein Loch, das ich nicht wieder schließen konnte. Glücklicherweise mussten vorher schon viele andere Fahrer abreißen lassen, so dass ich mich am Berg in einer größeren Gruppe wieder fand.
Zusammen versuchten wir, am Berg möglichst wenig Zeit auf die Spitze zu verlieren, um möglicherweise in der langen Abfahrt wieder an die Spitze heran fahren zu können. Die Abfahrt war durch den Dauerregen alles andere als einfach, da sie viele enge Kurven hatte und absolut nicht enden wollte. Im technischen Teil der Abfahrt schüttelte ich die meisten meiner Mitstreiter ab, da viele von ihnen mit der nassen Straße noch schlechter zurecht kamen als ich. Die beiden anderen Fahrer wiederum kamen mit der Abfahrt deutlich besser zurecht als ich,so dass sie am Ende des technischen Teils einen guten Vorsprung heraus gefahren hatten. Ich hatte sie zwar noch auf Sichtweite, schaffte es aber alleine nicht, zu ihnen vor zu fahren.
Nach einiger Zeit kam dann eine Gruppe von hinten, die im leicht abfallenden, welligen Gelände ein Höllentempo vorlegte. Eine Zeit lang konnte ich in dieser Gruppe mitfahren und auch mit Tempo machen, aber an einer kleinen Gegensteigung verkalkulierte ich mich und hatte auf einmal den Anschluss verloren, so dass ich wieder allein unterwegs war.
Nach wenigen Kilometern kam dann ein Teamfahrzeug eines griechischen Teams mit einem Fahrer im Windschatten von hinten angebraust. Ich konnte mich mit in den Windschatten hängen und war sehr froh, so vielleicht wieder andie Gruppe vor uns heran fahren zu können. Trotzdem wir die meiste Zeit mit Tempo 65 bis 75 unterwegs waren, sahen wir lange Zeit nicht einen einzigen Fahrer im Rennen. Ich dachte schon, dass der Fahrer des Autos irgendwo falsch abgebogen wäre, als wir dann endlich wieder einige versprengte Fahrer aufsammelten. Von hinten kam dann sogar noch ein Teamfahrzeug, das anscheinend noch schneller unterwegs gewesen war als wir und brachte eine größere Gruppe von Fahrern mit.
Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichten wir dann eine größere Gruppe abgehängter Fahrer, die im mitlerweile komplett flachen Gelände kreiselten. Ich reihte mich direkt ein und musste feststellen, dass es in Italien anscheinend keine Windkanten gibt. Die italienischen Fahrer in der Gruppe schafften es absolut nicht, eine vernünftige Windstaffel zu fahren. Erst als der Wind eher von hinten kam, lief die Gruppe halbwegs rund.
Dann kam allerdings ein Teamfahrzeug der Italiener auf die Idee, der ganzen Gruppe von 25 Fahrern Windschatten bieten zu wollen. Für die ersten paar Fahrer war das bestimmt auch ganz toll, aber mit dieser Aktion zerpflückten sie das Gruppetto vollkommen. Ich reihte mich dann mit einigen anderen hinter einem Teamfahrzeug weiter hinten ein, obwohl es mir deutlich lieber gewesen wäre, in der Gruppe vernünftig zusammen zu kreiseln und so vielleicht auf vernünftige Weise wieder den Anschluss an das Feld herzustellen.
Aber gut, wenn alle am Auto fahren, fahre ich bestimmt nicht allein im Wind und so waren wir ungefähr 30km vor dem Ziel wieder am Hauptfeld dran, in dem sich noch ca. 30 Fahrer befanden so dass nun auf einmal wieder fast alle Fahrer des Rennens zusammen waren.
Hätten sich die anderen per Auto zurückgekommenen Fahrer zurück gehalten, hätte ich mit Sicherheit auch nicht in das Finale eingegriffen, aber da keiner von ihnen ein schlechtes Gewissen zu haben schien, versuchte ich auch keins zuzulassen. Auf der 6-spurigen Autobahn fuhren wir dann die letzten ca. 20 Kilometer nach Bukarest rein und das Ziel sollte auf dem großen Prachtboulevard an der rumänischen Version des Arc de Triomphe sein.
Peter hatte am Anfang der Etappe das Rad wechseln müssen und fühlte sich auf dem neuen Rad nicht so wirklich wohl, so dass er sagte, ich solle auf eigene Rechnung fahren. Dafür setzte er mich dann auch zusammen mit Andreas bei 3km an Position 5 ab, so dass ich eine recht gute Ausgangsposition hatte. Ich versuchte, mich da vorne gut zu behaupten, aber die vorderen Positionen waren hart umkämpft und so kam ich ungefähr an Position 10 auf die Zielgerade, auf der ich es nicht einmal mehr schaffte, aus dem Windschatten der vor mir Fahrenden heraus zu gehen. Das Tempo war so hoch, dass ich froh war, meine Position ungefähr halten zu können.
Im Ziel hatte ich den 12. Platz inne, was meine beste Platzierung während dieser Rundfahrt bedeutete. Als ich später meinen Tacho auswertete, wusste ich dann auch, warum ich nicht mehr aus dem Windschatten gehen konnte. Über die letzten 3km war das Tempo fast nie unter die 60 km/h Marke gegangen. Auf der Zielgerade hatten wirgute 65 Sachen drauf.


Alles in allem war das auf jeden Fall ein riesen Erlebnis für mich!
Es war zwar nicht immer einfach, aber was will man bei einer Profi-Rundfahrt auch erwarten...
Ohne das Team Profiline der Brüder Riedesser aus Schönau in Bayern wäre es für Amateure in kleineren Teams nicht möglich, solche Erfahrungen zu machen. Im Herbst, spätestens aber im nächsten Frühjahr möchte ich auf jeden Fall versuchen, wieder eine internationale Rundfahrt zu fahren, da dies einfach eine ganz andere Art, Rennen zu fahren ist. Mir persönlich liegt es deutlich mehr als die vielen Rundstreckenrennen und Kriterien,die wir in Deutschland meist fahren.

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